Das Praktikum - Karrierebooster mit Rechten & Pflichten

Praktika sind eine tolle Möglichkeit, praxisnahe Erfahrungen in verschiedenen Arbeitsfeldern zu sammeln, wertvolle Kontakte zu knüpfen und sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren.


Wie die Rahmenbedingungen aussehen, welche Rechte und Pflichten Ihr dabei habt, was Euch zusteht und welche Erwartungen des Arbeitgebers Ihr erfüllen müsst - diesen Fragen gehen wir hier auf den Grund.

 

Begrifflichkeiten

Umgangssprachlich wird meist zwischen dem „freiwilligen“ und dem „Pflichtpraktikum“ unterschieden. Rechtlich gesehen unterscheidet das Mindestlohngesetz noch weiter nach Pflicht-, Orientierungs- und freiwilligem Praktikum sowie der Einstiegsqualifizierung. Sozialversicherungsrechtlich kommen dann sogar noch das „Vor- und Nachpraktikum“ dazu.

 

Das Pflichtpraktikum – aufgrund (hoch)schulrechtlicher Regelungen

Das Pflichtpraktikum findet im Rahmen der Ausbildungs- bzw. Studienordnung statt. Hier gilt für Schüler und Studenten neben den Regeln der Hochschule auch die jeweilige betriebliche Ordnung.


Selbstverständlich sollte auch ein Pflichtpraktikum vertraglich geregelt sein, auch wenn Euch laut Mindestlohn- und Berufsbildungsgesetz (§§ 26,17) das Unternehmen nicht verpflichtet ist, Euer Praktikum zu vergüten.

 

Das freiwillige Praktikum

Das freiwillige Praktikum wird berufs- oder hochschulbegleitend oder nach Beendigung des Studiums absolviert. Auch hier sollte ein Vertrag als Grundlage abgeschlossen werden. Ihr habt Anspruch auf eine Vergütung (ab 3 Monaten Praktikumsdauer), Urlaub und ein abschließendes Arbeitszeugnis.

Sozialversicherung

Zur  Einordnung in die Sozialversicherung ist hier in erster Linie die Art des Praktikums entscheidend und ob Ihr an einer Hochschule immatrikuliert seid oder nicht:

 

Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum

Der einfachste Fall. Im Praktikum seid Ihr als immatrikulierte Studenten von der Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung befreit. Allerdings seid Ihr als Studenten krankenversicherungspflichtig – solltet Ihr nicht über Eure Elter familienversichert sein.

 

Vorgeschriebenes Vor- oder Nachpraktikum

In diesem Fall seid Ihr in der Regel noch nicht bzw. nicht mehr an einer Hochschule eingeschrieben. Dann besteht eine Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung. Die Höhe Eurer Beiträge ergibt sich dann aus der Höhe der Praktikumsvergütung.

 

Unbezahltes Praktikum

Die Beträge zur Kranken- und Pflegeversichert zahlt Ihr in diesem Fall selbst – soweit Ihr nicht familienversichert seid. Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge trägt Euer Arbeitgeber.

 

Praktikumsverdienst unter 325 € im Monat

In diesem Fall fallt Ihr unter die sogenannte „Geringverdiensergrenze“ und Euer Arbeitgeber zahlt alle Sozialversicherungsabgaben.

 

Praktikumsverdienst über 325 € im Monat

Hier besteht Sozialversicherungspflcht und Ihr müsst alle Beiträge zur Hälfte bezahlen. Die andere Hälfte trägt Euer Arbeitgeber.

 

Unfallversicherung

Übrigens ist jeder Student automatisch bei Unfällen am Arbeitsplatz über die gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert – unabhängig ob es sich um ein freiwilliges oder ein Pflichtpraktikum handelt.

 

Praktikumsdauer

Die Dauer eines Praktikums ist Verhandlungssache und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich gehandhabt. In der Regel werden Praktika jedoch für die Dauer von 3, 6 oder 12 Monaten angeboten.

 

Vergütung

Auch die Vergütung ist Verhandlungssache - im Praktikum genauso wie im weiteren Arbeitsleben. Dabei gilt auch für Praktikanten – in den folgenden Fällen - der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro. Dieser ist abhängig von Art und Dauer des Praktikums und gilt:

  • bei freiwilligen, studienbegleitenden Praktika über 3 Monate Dauer
  • bei Praktika nach Abschluss des Studiums – unabhängig von der Dauer

Werden zwei Praktika im gleichen Unternehmen absolviert, gilt die Vergütung nach dem Mindestlohngesetz ab dem zweiten Praktikum.

 

Arbeitszeiten & Pausen

Euer Arbeitstag hat in der Regel 8 Stunden, wobei sich die Gestaltung der als Praktikant zu leistenden Arbeitszeit an den betriebsüblichen Arbeitszeiten orientiert. Das Arbeitszeitgesetz ermöglicht hier bis zu 10 Stunden. Nach spätestens 6 Stunden Arbeit müsst Ihr eine 30-minütige Pause einlegen. Wie es sich mit Mehrarbeit verhält, solltet Ihr zu Beginn des Praktikums mit Eurem Arbeitgeber absprechen und Regelungen zu Überstunden oder – je nach Betrieb – Gleitzeit im Vertrag schriftlich festhalten.


Das Arbeiten z.B. auch an Sonn- und Feiertagen kann vom Arbeitgeber eingefordert werden, sofern es dem Profil Eures Wunschberufes entspricht. So regelt das Arbeitszeitgesetz (§ 10) Ausnahmen z.B. für die Gastronomie, die Feuerwehr, im Einsatz bei Messen usw.

 

Pflichten des Praktikanten

Neben den Arbeitszeiten und Sorgfaltspflichten regelt Euer Vertrag insbesondere auch die Verschwiegenheit! Egal, ob es sich um generelle Firmeninterna oder Forschungsergebnisse handelt, solche Informationen dürfen das Betriebsgelände nicht verlassen. Verstöße werden hier häufig mit Schadensersatz geahndet.

 

Krankmeldung

Krank kann jeder mal werden. Um in diesem Fall z.B. schnell Aufgaben unter Kollegen verteilen zu verteilen, müsst Ihr Euch unverzüglich melden. Die firmeninterne Regelung, bis wann eine Krankmeldung und ab welchem Tag eine Bescheinigung des Arztes vorliegen muss, solltet Ihr rechtzeitig erfragen. Meist ist eine solche Regelung auch Bestandteil Eures Vertrags. Besteht keine betriebsinterne Regelung gilt die gesetzliche: nach § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetz, das u.a. eine „unverzügliche Mitteilung der Arbeitsunfähigkeit“ an den Arbeitgeber fordert.

 

Fazit: Loyalität & Engagement

Ein Praktikum bietet Euch vor allem praktische Erfahrungen, Wissen und einen breit gefächerten Einblick in Euer Wunschunternehmen. Dafür erwartet der Arbeitgeber Loyalität und Engagement. Sein Bestes zu geben, pünktlich zu erscheinen, gewissenhaft und eigenständig alle Aufgaben zu erledigen, sind aber bestimmt Dinge, die für Euch selbstverständlich dazugehören. Und wer weiß, vielleicht wird aus einem mehrmonatigen Praktikum ein langfristiges Arbeitsverhältnis mit einer vielversprechenden Zukunft!