Praktikum: Weit mehr als nur Kaffee kochen

Chancen, Rechte und Erfahrungen

Kaffee kochen, Dienstbotengänge oder auch das Befüllen von Druckerpatronen – das sind die typischen Klischees, die Sie wahrscheinlich mit einem Praktikum verbinden. Doch das war einmal.

Praktika sind heutzutage sehr wichtig, um nicht zu sagen ein Muss. Wer in der Berufswelt gute Chancen haben und seinen Traumjob finden will, der sollte vorher durch ein Praktikum in die Berufswelt hineingeschnuppert haben. Die meisten Arbeitgeber verlangen dies sogar heutzutage. Dabei bietet ein Praktikum auch so viele Chancen.

 

Chancen: Einblick ins Unternehmen

Als Praktikant(in) haben Sie die Chance, ein Unternehmen und ein bestimmtes Berufsfeld näher kennenzulernen und herauszufinden, ob es Ihnen liegt. Je nachdem, in welcher Branche Sie Ihr Praktikum absolvieren, können Sie sich sogar intensiv an verschiedenen Projekten beteiligen und Ihre Kollegen unterstützen. Sie werden sehr schnell merken, ob Sie sich in dem Unternehmen oder in der Branche wohlfühlen und sich dort eine Zukunft vorstellen können. Das erleichtert Ihnen die spätere Jobsuche.

 

Chancen: Dauer des Praktikums

Ihr Vorteil bei einem Praktikum: Sie gewinnen ein paar Monate Erfahrung ohne endgültige Bindung an das Unternehmen. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, die Branche und das Unternehmen erst einmal auszuprobieren. Ein Studienpraktikum dauert heute üblicherweise drei bis sechs Monate.

 

Chancen: Lerne von den alten Hasen

Während Ihrer Zeit in einem Unternehmen bekommen Sie zusätzlich die Chance, mit Ihren Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen. Meistens werden Sie sehr offen aufgenommen und Ihre Kollegen im Unternehmen wollen Ihnen so viel wie möglich zeigen und beibringen, denn schließlich sind Sie der / die Neue und Unerfahrene.

Nutzen Sie diese Chancesich von Älteren, die schon sehr viel Erfahrung haben, eine Menge beibringen zu lassen und halten Sie den Kontakt mit ihnen für den Aufbau Ihres Netzwerks.

 

Chancen: Networking

Gute Noten und Referenzen machen vielleicht 60 % eines erfolgreichen Berufseinstiegs aus, die anderen 40 % sind Kontakte. Heutzutage wird es immer wichtiger, Leute kennenzulernen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Wer weiß, welche Vorteile Sie später gegenseitig daraus ziehen können. Kontakte knüpfen und sich ein Netzwerk aufbauen ist wichtig. Denn eines ist klar: Kontakte schaden nur dem, der sie nicht hat!

Chancen: Social Skills

Abgesehen von den ersten Erfahrungen in der Berufswelt und dem Fachwissen eignen Sie sich auch viele Social Skills an und lernen eine Menge über sich selbst. Wie gut können Sie sich z. B. an ein neues Umfeld anpassen? Wie gut kommen Sie mit den Kollegen zurecht? Wie gut können Sie den Stress am Arbeitsplatz aushalten? All dies wird Ihnen später einmal sehr von Nutzen sein.

Zudem sollten Sie eines nicht vergessen: Wo auch immer Sie einmal Ihren Fuß hineingesetzt und einen (hoffentlich guten!) Eindruck hinterlassen haben, wird es Ihnen später leichter fallen, evtl. wieder einsteigen zu können. Ihrem potenziellen späteren Arbeitgeber zeigen Sie so nämlich großes Interesse und Eigenständigkeit und bringen schon die Erfahrung aus ersten Einblicken in das Unternehmen mit.

 

Rechte: Kurz- und Längerfristige Praktika

Bei längerfristigen Praktika (über 3 Monate) stehen je nach arbeitsvertraglicher Gestaltung Ansprüche auf Urlaub und Gehalt zu. Allerdings sollten solche Abmachungen im Voraus mit dem Unternehmen individuell getroffen werden.

Aus Arbeitsrechtlicher Sicht sind diese Fakten zu beachten:

Bei Praktika  (§ 26 BBiG), die dazu dienen, berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen zu erwerben (ohne dass es sich um eine Berufsausbildung handelt), besteht ein Urlaubsanspruch und ein Anspruch auf angemessene Vergütung (das MiloG/Mindestlohngesetz findet hier Anwendung).

Pflichtpraktika aufgrund (hoch-)schulrechtlicher Regelungen fallen nicht unter das MiloG und auch nicht unter § 26 BBiG (kein Urlaubsanspruch). Orientierungspraktika, die üblicherweise vor einer Ausbildung oder einem Studium gemacht werden (bis drei Monate) fallen nicht unter das MiloG, es besteht allerdings gemäß § 26 BBiG ein Anspruch auf eine angemessene Vergütung (und ggf. Urlaubsanspruch). Berufs-/Hochschulausbildungsbegleitende Praktika bis zu drei Monate, die freiwillig berufs-/hochschulbegleitend absolviert werden, sind nicht MiloGplichtig. Es besteht auch hier ein Anspruch auf angemessene Vergütung und ggf. Urlaub nach § 26 BBiG.

 

Meine Erfahrungen

Als Verfasserin dieses Artikels und selbst Praktikantin kann ich nur jedem zu einem Praktikum raten. Es ist – wie schon oben gesagt – eine wahnsinnig tolle Chance, ein Unternehmen näher kennenzulernen und erste Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln.

Ich durfte während meines dreimonatigen Praktikums am Projekt dieser Webseite mitarbeiten und habe dadurch sehr viel gelernt: zum einen, wie man solch eine Internetseite am sinnvollsten aufbaut und welche Arbeit dahinter steckt, zum anderen aber auch viel über mich selbst.

Ich habe erfahren, was ich später einmal machen möchte, was meine Ziele sind, wie man sich in der „Erwachsenenwelt“ zu benehmen hat und wie die Umgangsformen im Berufsleben sind.

Zudem habe ich sehr viele nette und interessante Menschen kennengelernt, die mir alle sehr offen begegnet sind, mir auf interessante Weise etwas über ihre Berufsfelder erzählt und so die Möglichkeit gegeben haben, noch breiter gefächerte neue Erfahrungen zu sammeln und mein Wissen zu erweitern.

Ich wurde während meines Praktikums sehr schnell ein Teil des Unternehmens und habe mich dort sehr wohl gefühlt. Ich habe das Projekt als meine Aufgabe verstanden und mich mit vollem Eifer und Freude dahintergeklemmt.

Wenn Sie sich also nicht ganz sicher sind, wohin Ihr Weg später einmal gehen soll oder Sie einfach ein wenig „Berufswelt“ schnuppern wollen, dann nutzen Sie Ihre Chance und machen ein Praktikum! Es wird Ihnen ausschließlich Vorteile bringen!