Wer als Bewerber punkten will, sollte wissen, was er draufhat.

Soft Skills: was für „Weichspüler“ oder knallharte Businessleute?

Auf dem Bewerbermarkt wird viel erwartet. Was fällt Ihnen auf, wenn Sie im Netz oder der Zeitung Stellenanzeigen lesen? Da werden Top-Performer mit einem sehr guten Abschluss und hoher Fachkompetenz gesucht. Aber das ist noch nicht alles. Kompetenzen wie ausgeprägte analytische Fähigkeiten, unternehmerisches Denken, ein hohes Maß an Selbstmotivation, Zielorientierung und eine schnelle Auffassungsgabe sollen über die Fachexpertise ein Teil der Persönlichkeit sein.

Sätze wie: „Sprudeln Sie zudem vor Kreativität, verfolgen Sie Ihr Projekte mit Ehrgeiz, sind Sie ein wahres Organisationstalent und zugleich ein Teamplayer?“ sind kein neuer Trend, sondern unterstreichen, dass der Intelligenzquotient (IQ) für Unternehmen nicht mehr alles ist, sondern auch die Qualität der Soft Skills (Emotionale Kompetenz =EQ) zählen.

Immer mehr Unternehmen achten neben einem exzellenten Abschluss auf die Persönlichkeit und Ausstrahlung des Bewerbers. Und viele Personalexperten sind sich einig: „Vor allem das Gesamtpaket des Bewerbers muss stimmen.“

Die Bedeutung der Soft Skills

Beziehungen zwischen Menschen, auch in Betrieben, spielen sich immer auf zwei Ebenen ab:

  1. Die Sachebene: sie ist faktisch, sichtbar und greifbar wie die Spitze eines Eisbergs.
  2. Die persönliche Ebene: diese Ebene liegt unter Wasser, sie ist unsichtbar und weniger faktisch, aber sehr wichtig.
    Hier geht es um die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Um Wertschätzung, Bedürfnisse, Motive und um die nonverbale Kommunikation. Wer aufmerksam und achtsam mit anderen umgehen kann, wird es leichter haben, ihn zu erkennen, zu erreichen, zu motivieren und zu überzeugen.

 

Experten und Psychologen sind sich einig: die Bildung und Entwicklung der Soft Skills basieren auf der Achtsamkeit. Wer fähig ist, die eigenen Stimmungen und die Schwingungen anderer Menschen wahrzunehmen, ist klar im Vorteil. Nicht nur im Privatleben, auch in Betrieben wird immer wichtiger, WIE etwas gesagt wird, und nicht nur WAS gesagt wird.

Die Entstehungsorte der Soft Skills liegen in den emotionalen Zentren der Gehirnregionen. Das limbische System, das unser Stammhirn direkt umringt, ist für die Grundemotionen wie Freude, Mitgefühl, Enttäuschung, Angst und Trauer verantwortlich. Wir werden erst durch die Bildung des Neokortex (Denkzentrale) zu dem, was wir sind.

Aus unternehmerischer Sicht, bei der Personalauswahl und in Assessment Centern werden Soft Skills immer wichtiger. Warum ist das so?

 

Your Chemistry Career fragt Experten aus der Praxis: Warum werden Soft Skills aus Ihrer Sicht immer wichtiger? Kann ein überzeugender Gesamteindruck unter Umständen auch eine weniger gute Abschlussnote im Studium ausgleichen?

 

Bettina Marcinkowski, Roche Diagnostics GmbH, Head of Recruiting and Personell Marketing, Mannheim und Penzberg

"Roche hat drei Unternehmenswerte: Integrität, Mut und Leidenschaft. Diese Werte möchten wir natürlich auch bei unseren potentiellen Mitarbeitenden entdecken. Ansonsten sollten Bewerber Lernbereitschaft und Teamfähigkeit mitbringen, außerdem die Fähigkeit in internationalen Teams zu arbeiten, eine gute Auffassungsgabe und Interesse, Neues auszuprobieren. Fehlende oder weniger ausgeprägte "technical skills", also technische, auf die Tätigkeit bezogene Fähigkeiten sind eher erlernbar als die "weichen Faktoren", daher schauen wir bei der Personalauswahl verstärkt darauf und nicht ausschließlich auf die erreichten Noten."

 

Peter Hepper, CHT Beitlich, Tübingen, Head of Human Resources

“Wir suchen nach Talenten, denen es durch ihr reflektiertes Handeln und ihr Engagement, wichtig ist, uns dabei zu unterstützen, den tagtäglich auftretenden Herausforderungen des Marktes zu begegnen. Wir stellen uns den Marktbedürfnissen bewusst und profilieren uns als Unternehmen neben unseren Produkten mit Beratungskompetenz und Service. Deshalb benötigen wir Persönlichkeiten, die kompetent und authentisch auftreten und unsere Unternehmenswerte vertreten. Gute Schul- und Studienabschlüsse allein können dies nicht gewährleisten".

Kann es ihn überhaupt geben, den perfekten Bewerber und das perfekte Unternehmen?

Tatsache ist: viele Menschen in Deutschland haben ihn noch nicht gefunden, den perfekten Job. Eine repräsentative Umfrage von FORSA im Januar 2015 zeigt deutlich, dass sich jede dritte Fach- und Führungskraft einen beruflichen Neustart wünscht. Bei Young Professionals sieht es nicht besser aus. Nachwuchstalente wünschen sich vor allem „Selbstverwirklichung und einen tieferen Sinn in der Arbeit“ (Auszug aus Ergebnis einer Umfrage des Forschungsinstituts Trendence 2014).

Was Arbeitgeber und Bewerber verbindet, ist vielleicht das Prinzip: „schneller, höher, weiter“. Und die Erwartungshaltung, dass alles möglichst passen sollte.

Umso wichtiger ist die eigene Klarheit über Kompetenzen, Stärken und Fähigkeiten. Je mehr ein Bewerber über sich selber weiß, je leichter wird es ihm fallen, das passende Unternehmen zu finden.

 

Was macht Menschen erfolgreich?

Viele Wege führen nach Rom. Das gilt auch für Karrieren. Wer authentisch ist und nicht versucht, andere zu imitieren, kommt an. Und wird verstanden. Das sind die wichtigsten Soft Skills für den beruflichen Erfolg:

  • Persönlichkeit
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Engagement
  • Kreativität
  • Ausstrahlung
  • Interesse/Neugier
  • Empathie für Andere
  • Menschenkenntnis
  • Konzentration
  • Ausdauer/Energie
  • Motivation
  • Zeitmanagement
  • Selbstbeherrschung
  • Stress-Resilienz
  • Souveränität
  • Humor
  • …und Gelassenheit!