„No Poo“

Unser tägliches Ritual startet meist mit dem Gang unter die Dusche. Nach dem Waschen sind unsere Haare richtig weich und glänzend, wie lässt sich das erklären? Was passiert mit Kopfhaut und Haar durch Duschgel und Shampoo? Und was steckt hinter der neuen Trend-Alternative „No-Poo“?

Wie schaut es auf dem Kopf aus?

Die Kopfhaut, das Wasser und auch die Produkte die zum Haare waschen verwendet werden, haben alle einen eigenen PH-Wert. Dieser wird durch die Wasserstoffionenkonzentration bestimmt und lässt sich mithilfe einer Skala, von 0 bis 14 in sauer bis basisch einteilen.

In den meisten Fällen hat das Kopfhaar einen PH-Wert zwischen 4,5 und 5,5 und gilt somit als “sauer”. Damit dieser PH-Wert neutralisiert wird und unsere Haare vor dem Austrocknen geschützt werden, produziert unsere Kopfhaut ein so genanntes “Sebum”, dies ist ein ganz natürliches Haaröl.

Pflegeprodukte und Wasser beeinflussen den natürlichen PH-Wert von  Kopfhaut und Haaren, denn Seife und viele Shampoos sind “basisch”. Sie trocknen unsere Haare schnell aus. In Kombination mit heißem Wasser schließt die Schuppenschicht oft nicht mehr richtig, die Haare werden brüchig und wirken matt. Um den PH-Wert beim Waschen also auszugleichen und die Haare “strahlen” zu lassen, kommt eine Spülung zum Einsatz. Sie ist “sauer”. aber sie bringt die Haare zum Glänzen.

Shampoo: Welche chemischen Substanzen machen es so wertvoll?

Shampoos werden auch in naturnaher Form hergestellt, sind aber meist Produkte der chemischen Industrie. Ihre Aufgabe: Reinigung und Entfettung des Kopfhaars und der Kopfhaut.

Woraus besteht ein Shampoo und was passiert chemisch?

Sahmpoo besteht zum größten Teil aus Wasser als Trägerstoff.  Weiterhin enthält es Wirkstoffe wie das Haupttensid. Dieses ermöglicht die eigentliche Wirkung des Shampoos – die Reinigung des Haares. Tenside sind waschaktive Substanzen, die durch ihre speziellen Moleküle feste Partikel, Flüssigkeiten oder Gase lösen können und so die Haare von Schmutz und Gerüchen befreit.

Damit sich der Schmutz nicht wieder auf dem Haar ablagert, entsteht beim Shampoonieren durch die waschaktiven Substanzen ein Schaum. Indem die Tenside andere Inhaltstoffe festigen oder lösen, verhindern sie, dass diese sich von Wasser trennen. So behält ein Shampoo die zähflüssige Konsistenz.

Als waschaktive Substanzen (WAS) finden ausschließlich anionische, wie beispielsweise Alkylsulfate, Alkylethersulfate und amphotere Tenside eine Verwendung im Shampoo.

Ein weiterer Wirkstoff des Shampoos: Das Co-Tensid, dieses ergänzt die Wirkung des Haupttensids und senkt dessen Konzentration. Die Gefahr einer Überempfindlichkeit auf das Produkt kann so reduziert werden.

Damit es lecker duftet und gut aussieht, dürfen Parfümöle und Farbstoffe nicht fehlen. Diese Komponenten dienen nur der sensorischen Aufwertung des Produktes. Sie sollen dem Shampoo eine ansprechendes Äußeres verleihen und den Eigengeruch der Shampoo-Grundlage überdecken.

Konservierungsmittel bzw. Biozide schützen das Shampoo vor Verkeimung. Komplexbildner sorgen dafür, dass keine unerwünschte Reaktionen von Ionen und Metallionen hervorgerufen werden. Metallionen (Eisenionen), können nämlich bei der Herstellung in das Shampoo gelangen. Um dann unerwünschte Reaktionen mit diesen Ionen zu verhindern, werden Ethylendiamintetraessigsäure oder Nitrilotriessigsäure zugegeben, die die Ionen binden.  Ausserdem gibt es Puffer, wie Citrat-, Lactat und Phosphat, die ebenfalls als Hilfsmittel in einem Haar-Shampoo enthalten sind. Diese gewährleisten die Stabilität des pH-Wertes. Zu guter Letzt sind UV Absorber zu nennen. Diese schützen lichtempfindliche Komponenten im Shampoo vor den schädlichen Einflüssen von UV-Strahlung.

Was ist “No-Poo”, was bringt der neue Trend?

Häufiges Waschen der Haare mit Shampoo regt die Talgdrüsen zu einer übermäßigen Produktion an. Das Ergebnis: schnell fettende Kopfhaut und ungepflegt wirkende Haare.

Es gibt eine Methode, bei der die Haare ohne chemische Hilfsmittel an Kraft gewinnen und seidig glänzen, während die Kopfhaut die Talgproduktion runter fährt? No-Poo, also kein Sham-poo!

Das zentrale Element bei No-poo ist also der Verzicht auf künstliche Tenside, Parfüm und andere chemische Stoffe die im klassischem Shampoo enthalten sind.

Fans dieser Methode haben für ihre Haare unterschiedliche Möglichkeiten gefunden, das klassische Shampoo aus dem Badezimmer zu verbannen und durch andere Dinge zu ersetzen.  Wer die No-Poo-Methode anwendet, braucht Geduld. Denn es dauert etwa sechs Wochen, bis sich die Kopfhaut umgestellt hat und die Haare nicht mehr fettig wirken. Also: Hallo Pferdeschwanz! Hallo Mütze!

Wie reinigt man Kopfhaut und Haare, wenn es um  “No-Poo” geht?

Manche verzichten beispielsweise komplett auf das Schäumen der Haare und setzen nur auf klares Wasser. Ausreichend hohe Temperaturen sind eine Voraussetzung, da Fett erst ab 50 Grad löslich ist.

Als weitere Variante der No-Poo-Methode ist das Waschen mit Backpulver oder Lavaerde, also Tonerde möglich. Anschließend wird das Haar mit Essig gespült, sozusagen als alternative Pflegesubstanz. Freunde des Dufterlebnisses gehen hier allerdings leer aus, wenn Essig zum Einsatz kommt.

Shampoo oder No-Poo - das ist jetzt die Frage!

Definitiv sinnvoll ist es, den überschüssigen Talg auf der Kopfhaut  regelmäßig zu entfernen, damit verstopfte Poren und Schuppen keine Chance haben, abgesehen von Pilzen und Bakterien, die sich als Folge von zu viel Talg auf der Kopfhaut entwickeln können.

Ob man wirklich komplett auf das klassische Shampoo verzichten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Ganz abgesehen vom echten Frischegefühl und seidig glänzenden Haaren durch das passende Shampoo!









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