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DEGINTU: Wie ein Chemiker mit einer App für gefahrlosen MINT-Unterricht sorgt

Wenn es pufft, qualmt oder die Farbe der Substanz im Reagenzglas plötzlich umschlägt, weckt das bei Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für Naturwissenschaften – davon ist Chemiker Thomas H. Brock überzeugt: „Experimente machen den Unterricht spannend!“ Doch der Umgang mit diversen Substanzen will gelernt sein. Damit Versuche in der Schule sicher ablaufen, engagiert er sich in der Weiterbildung. Zum Beispiel beim Lehrerkongress Mitte November in Nürtingen, wo er DEGINTU, ein Internetportal für sicheren MINT-Unterricht, vorstellte.

Das Portal bietet 770 geprüfte Versuche

Der kompetente Umgang mit biologischen und chemischen Stoffen ist sein Metier: Brock ist promovierter Naturwissenschaftler und leitet bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) das Referat „Gefahrstoffe, biologische Arbeitsstoffe und Analytik“. Die Institution hat den gesetzlichen Auftrag, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten.

Brock denkt dabei an die folgenden Generationen: „Schüler von heute sind unsere Studenten und Auszubildenden von morgen und übermorgen unsere Mitarbeiter, Führungskräfte und Forscher“, sagt er. In seinem Vortrag vor rund 40 Lehrkräften erklärt er anschaulich, warum gerade Versuche einer besonderen Vorbereitung bedürfen: „Praktische Experimente im Unterricht kosten Zeit und Geld – und wenn was schiefläuft, die Lehrkraft vielleicht auch Kopf und Kragen.“

Um Schulen zu unterstützen, begann eine Arbeitsgruppe um Brock vor sieben Jahren mit der Entwicklung des Portals DEGINTU. Das „Deutsche Gefahrstoff-Informationssystem für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht der Gesetzlichen Unfallversicherung“ gibt Hilfestellungen für sicheren MINT-Unterricht. Es bietet unter anderem 670 von der BG RCI geprüfte Versuchsbeschreibungen zur Chemie und weitere 100 zur Biologie. „Das Gesetz und der gesunde Menschenverstand fordern eine Beurteilung der Gefährdungen“, erklärt Brock. „Diese sogenannte Gefährdungsbeurteilung von Versuchen ist hier schon weitgehend vorbereitet und kann von allen Lehrkräften leicht erstellt und im System rechtssicher dokumentiert werden.“

 

Unterstützung erhält er bei seinem Vortrag von seiner Kollegin Christina Spassova, Expertin für Gefahrstoffe und biologische Arbeitsstoffe. Sie zeigt online auf der Leinwand, wie man eigene Versuche in DEGINTU hinterlegen kann. „Man hat immer Zugriff auf die Datenblätter der einzelnen Stoffe und Verbindungen, die im Versuch verwendet werden. So sind verschiedene Informationen miteinander verknüpft“, erläutert sie.

DEGINTU kann auch den Bestand verwalten

Ein weiterer Vorteil des Online-Portals ist eine Sicherheitswarnung: Muss man sich bei der Verwendung einer Chemikalie besonders schützen, werden die notwendigen Schritte dazu automatisch vorgeschlagen. Hinterlegt ist, welche Eigenschaften ein Gefahrstoff hat und welche Schutzmaßnahmen empfohlen werden – zum Beispiel Schutzbrille, Laborkittel, Handschuhe oder die Durchführung des Experiments unter dem Abzug. Außerdem bietet DEGINTU Hilfen wie Datenbanken mit Informationen zu chemischen Stoffen und Verbindungen oder Infomaterialien, beispielsweise für den Umgang mit Druckgasflaschen.

Auf dem Portal können Lehrende zudem auch ihren Schulbestand verwalten und rechtssichere und gesetzeskonforme Etiketten für die chemischen Substanzen im Schullabor oder im Chemiesaal erstellen und drucken. Mehr noch: „DEGINTU kann eine ganze Schule mit ihren Unterrichts- und Lagerräumen abbilden“, erklärt Brock. „So hat man jederzeit einen Überblick über Bestände, Gefahrenpotenziale und Unterrichtsmöglichkeiten.“

Begeistern für die Naturwissenschaft

Pädagogen sind wichtige Multiplikatoren für Brock und Spassova. Denn Lehrkräfte sind nah dran am Nachwuchs. Die Wirtschaft suche „händeringend“ Fachkräfte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Aber trotz sehr guter Berufsaussichten studieren immer weniger ein MINT-Fach.

„Sie müssen aus den Schülern keine Sicherheitsfachkräfte machen“, erklärt Brock den Lehrkräften bei seinem Vortrag. „Aber Sie können das Bewusstsein schärfen und sie für Naturwissenschaften begeistern!“ Und das ist ja schon eine ganze Menge.

Was ist der Lehrerkongress?

Hier drücken Lehrerinnen und Lehrer die Schulbank: Beim Lehrerkongress dreht sich alles um den experimentellen Unterricht und die berufliche Orientierung. Seit 1995 treffen sich bei der Veranstaltung Pädagogen und Pädagoginnen verschiedenster Fachrichtungen einmal jährlich zum Austausch.

Die Veranstaltung bietet Anregungen und Materialien für den Unterricht, die Inhalte sind auf die Bildungspläne der MINT-Fächer abgestimmt. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – unter der Bezeichnung werden naturwissenschaftliche Schul- und Studienfächer zusammengefasst.

Organisiert wird der Lehrerkongress von Chemie.BW, den Verbänden der Chemie- und Pharma-Industrie Baden-Württemberg.