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Gründerfirmen schaffen Innovationen – doch sie benötigen mehr Unterstützung

Der Corona-Impfstoff – selten wurde eine Medizin so sehnsüchtig erwartet. Die Spritze gegen die Pandemie. Der Piks, der Leben, Freude und Bewegungsfreiheit zurückbrachte. Die Welt verdankt ihn unter anderem der jungen Mainzer Firma Biontech. Das Besondere an dem in Rekordzeit entwickelten Impfstoff: der neuartige Wirkmechanismus.

Gründerfirmen bringen Neues in die Welt

Biontech ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus einem Start-up aus der Chemie- und Pharma-Industrie ein großes Unternehmen werden kann, das die Welt verändert. Wie es viele Start-ups tun: mit Produkten, die besser, einfacher oder schneller sind, und mit neuen Geschäftsideen. Start-ups setzen Innovationen eher in die Welt, weil sie klein, schnell, agil sind und sich nicht durch Verwaltung oder „Altbewährtes“ bremsen. „Gründerfirmen tragen dazu bei, dass Altes Platz macht und Neues eine Chance bekommt“, erklärt Christian Rammer vom Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW in Mannheim. Er hat 2022 eine Studie zur Bedeutung von Start-ups in der Branche erstellt.

Beispiel Transformation: „Start-ups entwickeln nachhaltige Chemie, klimaschonende Produkte oder Verfahren für die Energiewende. Bei 36 Prozent der Start-ups gehört das zum Geschäftsmodell.“ Oder sie bieten Produkte oder Dienstleistungen dafür an – entwickeln also oft das, was die Branche für die klimaneutrale Produktion braucht.

25 bis 30 Gründungen pro Jahr in der Chemie

Wie das junge Karlsruher Unternehmen Ineratec: Es stellt nachhaltigen Treibstoff aus dem Klimagas CO2 und grünem Wasserstoff her – in containergroßen Anlagenmodulen. Ab 2024 soll ein Großbetrieb in Frankfurt jährlich 2.500 Tonnen erzeugen, kündigt Firmenchef Tim Böltken an: „Diese Pionieranlage ist ein Meilenstein für das E-Fuel.“ Ineratech ist eines von mehr als 350 Chemie-Start-ups bundesweit.

 

Jedes Jahr entstehen laut der ZEW-Studie 25 bis 30 weitere Gründerfirmen in der Branche. Gemessen an den 1.300 Neugründungen im ersten Halbjahr 2023 in allen Sparten ist das aber extrem wenig. Denn: Chemie-Start-ups haben oft einen viel längeren Weg zum Erfolg als etwa IT-Firmen, deren Software und Apps schnell auf den Markt kommen.

Kaum Geld für Firmengründer in der Chemie

Chemie-Start-ups müssen neue Chemikalien und Produkte registrieren lassen, ein Herstellungsverfahren entwickeln, dafür Anlagen bauen und behördlich genehmigen lassen. Das kann zehn Jahre oder mehr dauern und erfordert enorm viel Kapital. Daher meiden viele Geldgeber die jungen Firmen.

Das spiegelt auch die Studie: Von den Investitionen der Jahre 2019 bis 2021 flossen 4,3 Milliarden Euro an Gründerfirmen in Informations- und Kommunikationstechnik. Chemie- und Material-Erfinder sammelten nur magere 14 Millionen Euro ein. Rammer: „Zwei Dritteln der Chemie-Start-ups fehlen Finanzierungsmittel.“ Das bremst sie enorm.