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Was eine Lacklaborantin bei Jaegerlacke an Farben so liebt

Möglingen. Ein Leben ohne Farben kann sich Susanna Bertsch nicht vorstellen. Als Lacklaborantin entwickelt und verfeinert sie Rezepturen für Lacke und Beschichtungen beim Farben- und Lackhersteller Paul Jaeger im Möglingen. Nach Feierabend bringt die Hobbymalerin Acrylfarben auf Leinwände und malt im Auftrag von Freunden und Verwandten Wunschmotive.

„Mein Beruf ist ein echter Volltreffer“, sagt sie beim Besuch von aktiv, und ihre Augen leuchten. „Ich kann mir nicht vorstellen, nur am Schreibtisch zu sitzen, ich brauche was zum Anfassen.“ 2017 begann sie ihre Ausbildung bei Paul Jaeger. Das Unternehmen stellt mit 60 Beschäftigten Isolier-, Absperr- und Renovierfarben her, aber auch Holz- und Metalllacke, Markierungsfarben, Kalkputze und Anti-Schimmel-Mittel.

Mehr als 120 Produkte vertreibt der Mittelständler an Profis sowie Heimwerker. Die Produktvielfalt macht den Job so spannend: „Ich habe ständig neue Aufgaben und begleite Projekte vom Anfang bis zum Ende. Eine Nikotinabsperrfarbe muss zum Beispiel ganz andere Anforderungen erfüllen als eine Badewannenbeschichtung. Eine Straßenmarkierung muss rutsch- und abriebfest sein, ein Klarlack einen guten Verlauf haben.“

Erfahrung und Wissen über chemische Zusammenhänge sind für die Arbeit nötig

Im Prüf- und Entwicklungslabor stellt Bertsch 300 Gramm schwere Ansätze eines Produkts her. Manchmal dauert es, bis ein Problem gelöst ist. So tüftelte sie zum Beispiel lange an ihrer Prüfungsaufgabe, einem spritzbaren Metalllack in Himbeerrot. „Die Farbe fand ich super, aber der Lack neigte zur Kantenflucht. Das heißt, er zog sich zusammen, der Lackauftrag war nicht gleichmäßig“, berichtet sie. In vielen Stunden optimierte sie die Rezeptur so lange, bis der Auftrag überall passte. Bei solchen Optimierungen ist Geduld gefragt. Die stellt die 22-Jährige im Job beim Experimentieren und privat bei ihrer Malerei unter Beweis: „Ich habe vor Kurzem die Katzen einer Verwandten gemalt, da waren unendlich viele Pinselstriche für das Fell nötig“, erzählt sie.

Lacke und Beschichtungen bestehen aus Farbpigmenten, Binde- und Lösungsmitteln. Wasserbasierte Produkte kommen teilweise sogar ohne Lösungsmittel aus. Eigenschaften wie Fließfähigkeit, Trocknungszeit, Glanz, Abriebfestigkeit oder Aushärtegrad bestimmen Zusatzstoffe, Additive genannt.

 

Um alle Zutaten optimal zu kombinieren, ist Erfahrung und Wissen über chemische Zusammenhänge nötig. „Man sollte zum Beispiel den pH-Wert im Auge behalten, saure und alkalische Komponenten vertragen sich nicht immer“, weiß Bertsch. Die große Auswahl an Spezialprodukten im Unternehmen half ihr in der Stuttgarter Berufsschule: „Ich habe hier in der Praxis sehr viel kennengelernt, was meine Kollegen in der Berufsschule nur aus der Theorie kannten.“

In ihrem Ausbildungsjahrgang waren junge Leute aus ganz Deutschland, denn nur wenige Schulen und Betriebe bieten die Ausbildung zur Lacklaborantin an. „Dabei ist es ein vielseitiger, spannender und kreativer Job“, sagt Bertsch, die nach der Schule verschiedene Handwerksberufe in Praktika kennenlernte.

Lichtreflexionen von Tageslicht bei Prüfungen vermeiden

Zum Beispiel, wenn man die Deckfähigkeit eines türkisblauen Lacks optimal einstellt. Dazu trägt sie den Lack auf eine schwarz-weiße Musterkarte auf. Im Farbmessgerät werden die Farbtöne vermessen und exakt bestimmt.

Bei der ersten Augenprüfung ist Genauigkeit gefragt: „Geprüft wird bei Tageslicht. Die Fassade des Gebäudes gegenüber hat einen Gelbton, der bei Sonnenlicht reflektiert – das verfälscht das Ergebnis“, erklärt sie. Und geht zu einem anderen Fenster, bevor sie den Farbstreifen in ein weiteres Testgerät legt. Die Ergebnisse erfasst sie in einem modernen digitalen System. Gleichzeitig kommt auch hier die Künstlerin in ihr zum Vorschein: In einem liebevoll gestalteten Notizbuch hält sie ihre Erkenntnisse auch handschriftlich und mit kleinen Skizzen fest.

 

 

Nachgefragt

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich hatte eine sehr gute Berufsberaterin, die mich auf die Ausbildung zur Lacklaborantin aufmerksam gemacht hat.

Was reizt Sie am meisten?

Die Arbeit ist spannend und kreativ. Es wird nie langweilig, da sich jedes Produkt anders verhält. Und als Hobbymalerin liebe ich die Arbeit mit Farben!

Worauf kommt es an?

Man muss genau arbeiten und braucht chemisches Wissen. Aber man kann auch seinen Forschergeist ausleben, Erkenntnisse gewinnen und sein Wissen immer wieder bei neuen Aufgaben anwenden.