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Wie ein Ausbilder im Bildungszentrum Freudenberg modernste Technologie nutzt

Ausbilder Max Klumb ist jünger als manche seiner Azubis: Der 24-Jährige betreut beim Technologiekonzern Freudenberg am Stammsitz in Weinheim mit seinen Kollegen vom Ausbilderteam den Nachwuchs für technische Berufe. Die sind zwischen 16 und 34 Jahre alt. „Mein Alter ist Vor- und Nachteil“, sagt Klumb. „Manchmal muss ich mich erst mal behaupten, andererseits bin ich durch den geringen Altersunterschied viel näher dran an den Azubis.“

70 Auszubildende fangen jedes Jahr in Weinheim an. Das Familienunternehmen produziert zum Beispiel komplexe Dichtungsringe sowie Filter- und Vliesstoffe für verschiedenste Anwendungen. Weltweit erwirtschaften die rund 51.000 Mitarbeitenden gut 11,75 Milliarden Euro. So vielseitig wie die Produkte ist auch die Ausbildung: 25 Ausbildungsberufe bietet Freudenberg in Deutschland an, vom Anlagenmechaniker bis zum dualen Studium „Data Science und künstliche Intelligenz“.  

 

Hochmodernes Bildungszentrum

Das Bildungszentrum, ein futuristischer Bau mit neuester Technik, steht mitten im Betriebsgelände. Hier unterrichtet Klumb angehende Elektroniker, Industriemechaniker oder Maschinen- und Anlagenführer. Statt Tafeln gibt es riesige Monitore, die per Touch bedient werden. Im Erdgeschoss stehen modernste Metallbearbeitungsmaschinen wie Drehbänke oder eine Fünf-Achs-Fräsmaschine. An der vertiefen die jungen Leute ihr CAD/CAM-Know-how, daneben sind Arbeitsplätze mit Schraubstöcken und Werkzeugschubladen.

Im Obergeschoss tüfteln die Elektroniker an ihren Schaltschränken, im selben Raum gibt es auch einen Bereich für theoretischen Unterricht: „Kommen bei einer praktischen Übung Fragen auf, wechseln wir von der Werkbank in den Schulungsbereich und klären die Theorie an den Bildschirmen“, erzählt Klumb.

8,5 Millionen Euro für die Lernfabrik 4.0

8,5 Millionen Euro ließ sich der Technologiekonzern das Bildungszentrum samt Einrichtung kosten. Seit 2018 werden hier junge Leute auf ihr Berufsleben vorbereitet und lernen ihr Handwerk. Übrigens nicht nur die Azubis von Freudenberg, sondern auch 80 weitere junge Leute aus anderen Unternehmen im Verbund mit Freudenberg. „Wissen weitergeben und jemandem etwas beibringen macht Spaß“, sagt Klumb. „Beobachten, wie jemand bei null anfängt und dann seine Abschlussprüfung besteht. Das ist sehr schön.“

Auch er hat seine Ausbildung bei Freudenberg absolviert. Schon während der Lehrzeit als Mechatroniker unterstützte er seinen damaligen Ausbilder und erklärte Studierenden technische Prozesse: „Im Bildungszentrum haben wir eine vollautomatische Produktionsstraße im Kleinformat, mit Hochregallager, Bohrstation und Qualitätskontrolle“, berichtet er. „Wir nennen sie Lernfabrik 4.0. Die Studenten lernen hier Produktionsabläufe und deren Steuerung ganz praktisch kennen.“ Die Arbeit mit anderen Menschen liegt ihm, auch privat gibt er sein Wissen als Jugendleiter in einem Schützenverein weiter.

Eigene Ideen einbringen und umsetzen

Ein Mechatroniker sei „ein Mann für alle Fälle“, betont Gerald Bitsch, Ausbilder für Metallberufe, mit einem breiten Lächeln. „Er kennt sich sowohl in der Metallbearbeitung als auch in der Elektronik aus.“ Und Thomas Wetzel, Ausbilder für Elektronik, ergänzt: „Max wächst gut rein in seine Aufgaben hier als Ausbilder.“

Dabei hatte Klumb nach seiner Ausbildung eigentlich andere Pläne und begann ein duales Studium der Mechatronik. „Doch das hat nicht funktioniert, das war mir zu theoretisch“, gesteht er. Also nahm er das Angebot an, als Ausbilder zu arbeiten – und macht nun den Techniker nebenbei.

Das Ausbilderteam setzt auf Praxis: „Eigene Ideen einbringen ist wichtig“, davon ist Klumb überzeugt. Zum Beispiel in der Metallbearbeitung: Zuerst lernen die Azubis an einem Werkstück, wie man eine Nut oder eine sogenannte Tasche – also eine runde oder eckige Vertiefung – ins Metall fräst.

Dann können die Azubis kreativ werden: In der Lehrwerkstatt sind so schon Schachbretter inklusive Figuren aus goldglänzendem Messing und silberweißem Aluminium entstanden. Eines davon als 3-D-Schach mit einem Spielfeld auf mehreren Ebenen. Oder ein Tesla-Modell aus dem 3-D-Drucker. „Die Vorgabe war nur, dass das Werkstück 40 Millimeter mal 40 Millimeter groß sein muss“, so Klumb. Das Werkstück dürfen die Azubis mit nach Hause nehmen – ein zusätzlicher Anreiz.

Ihm selbst wurde das Interesse an technischen Zusammenhängen schon als Kind vermittelt: „Ich habe mich lieber mit einem Brettchen, Hammer und Nägeln beschäftigt statt mit Playmobil“, erinnert er sich. „Mein Opa hatte einen Traktor, daran haben wir ständig geschraubt.“

Die Leidenschaft für Technik an die Azubis weitergeben

Seine Leidenschaft für Technik gibt er an den Nachwuchs weiter. Am Schaltschrank erklärt er den Azubis beim Besuch von aktiv, welche Dimension eine Leitung haben muss oder wie man alle Elemente vom Schalter über die Steuerelemente bis zur Sicherungen korrekt anordnet. Er achtet auf Details: Sind die Leitungen richtig abisoliert, die Aderendhülsen korrekt verpresst, laufen die Leitungen im Bündel? Dann kommt alles ordentlich in einen Metallkasten.

„Spannend wird es, wenn wir das erste Mal Spannung anlegen – wir sprechen hier von Starkstrom, also 400 Volt“, berichtet Klumb. „Auch wenn zuvor alles viele Male überprüft wurde, ist das für die Azubis ein wichtiger Moment. Funktioniert das jetzt auch wirklich?“ Gerade mit solchen Erfahrungen will Klumb den Azubis Sicherheit und Vertrauen in das eigene Können geben. 

 

 

 

Das Bildungszentrum

 

18 Mitarbeitende betreuen hier rund 280 Auszubildende aus vier Lehrjahren, darunter auch den Nachwuchs von 30 Verbundunternehmen.

Zur Wahl stehen 14 Ausbildungsberufe sowie 10 duale Studiengänge in Zusammenarbeit mit der DHBW in Mannheim.

2023 begannen 70 junge Menschen hier ihre Ausbildung bei Freudenberg, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu kommen 45 Azubis von Partnerunternehmen.

Spaß am Lernen bieten 2.600 Quadratmeter auf zwei Etagen, innovative Lernkonzepte und moderne Maschinen.