Nein sagen im Job: Wie du lernst höflich, aber bestimmt NEIN zu sagen!

Vier Buchstaben mit großer Wirkung. Die Rede ist von dem Wort „NEIN“. Viel zu oft scheut man sich davor, einfach mal Nein zu sagen. Man beugt sich und macht am Ende dann doch noch die Präsentation oder eine Recherche zum Thema “Die Psychologie des Neinsagens”.

Bei den meisten Menschen huscht bei der Frage „Ob sie das mal eben noch erledigen können“ direkt ein „Ja“ über die Lippen. Ohne groß darüber nachzudenken, wie hoch die eigenen Kapazitäten wirklich sind.

Besonders, wenn die Frage vom Vorgesetzten kommt. Ist ja auch irgendwie logisch, liegt in der Natur der Sache. Und noch dazu fühlt es sich gut an, gebraucht zu werden und wichtig zu sein.

 

Haben wir Angst Nein zu sagen

Für den Moment schenkt einem das „Ja“ Frieden und ein gutes Gefühl. Aber die Harmonie währt häufig nicht lange. Die Folge ist Stress, besonders, wenn es um eine umfangreiche und kurzfristige Aufgabe geht. Die eigene Wochen-Planung wird mit solchen Aufgaben komplett über Bord geworfen, die eigentlichen Aufgaben leiden darunter. Die Performance fällt ab.

Grenzenlos erreichbar, belastbar und leistungsfähig – das wird häufig erwartet. Von Vorgesetzten, aber auch von einem selbst. Dabei sind Grenzen so wichtig, denn sie geben Klarheit und schützen vor Überbelastung.

Aber warum fällt es einem eigentlich so schwer einfach mal „Nein“ zu sagen? Es ist oft die Angst. Die Angst ... 

  • ... nicht mehr gemocht zu werden
  • ... vor den Konsequenzen des Nein
  • ... egoistisch oder gar herzlos zu wirken
  • ... das Nein als Schwäche ausgelegt zu bekommen
  • ... etwas zu Versäumen
  • ... nicht mehr gebraucht zu werden, wenn man
        einmal „nein“ gesagt hat
  • ... nicht perfekt zu sein

Wer häufig die Bitten von dem Chef oder den Kollegen erfüllt, macht sich kurzfristig vielleicht beliebt, langfristig sieht das aber ganz anders aus: Karriere und Gesundheit leiden darunter. Nein sagen zu können ist ein Selbstschutz. Wenn man keine Grenzen ziehen kann, zahlt man einen hohen Preis. Aber ein höfliches, aber bestimmtes NEIN will auch gelernt sein. Und die interne Kommunikation sowieso.

 

Ein „Nein“ fördert am Ende die eigene Karriere

Ein angebrachtes und nachvollziehbares „Nein“ wirkt sich positiv auf die eigene Arbeitsleistung aus. Denn so bleibt der Fokus auf den eigenen Kerntätigkeiten. Bei ständigen Zusatzaufgaben hakt es am Ende häufig an der Sorgfalt. So viel muss noch husch husch erledigt werden, denn meist sitzt einem die Deadline im Nacken: man kann sie quasi fühlen. Und so rücken Gehaltserhöhungen und Beförderungen eher in die Ferne, als das sie in naher Zukunft an der Tür klopfen.

„Nein ist eine Chefvokabel! Nur wer sie beherrscht, kann in der ersten Karriereliga mitspielen.“ Martin Wehrle

 

Ein „Nein“ für die Gesundheit

Überlastung führt zu Stress. Die Folgen von Stress? Hoher Blutdruck, Magen- oder Kopfschmerzen, schlimmstenfalls droht ein Burn-out. Kurz gesagt: Die Gesundheit leidet und zwar nicht zu knapp. Das bedeutet, wir sind es unserer eigenen Gesundheit schuldig, auch mal „Nein“ zu sagen. Wieso? Es liegt doch auf der Hand: Jede weitere Aufgabe, die man annimmt, führt zu einer unendlich langen To-Do-Liste. Stress ist dann vorprogrammiert, das Gehirn reagiert mit der vermehrten Ausschüttung des Stresshormons “Cortisol”. Damit will unser Gehirn uns schützen und Energien für einen Kampf oder eine Flucht freisetzen. Im Arbeitsumfeld sind diese Reaktionen aber Fehl am Platz.

 

Der Weg zum „Nein sagen“

Der Ton macht die Musik und jede Begründung sollte wertschätzend vermittelt werden. Das hilft dem Gegenüber, die Situation zu verstehen.
Wenn du eine Bitte oder Aufforderung abschlägst, ist es wichtig, dass du beim Nein sagen diplomatisches Geschick beweist. Achte auf deine Tonalität. Mit einem schnippischen „Nein, das kann ich nicht“, erntest du nichts weiter als verständnislose Reaktionen. Es kann dann auch schnell passieren, dass dein Gegenüber denkt, alles sei dir gleichgültig.

Reagiere in jedem Fall behutsam, respektvoll und bedacht: wenn du deinem Kollegen oder Vorgesetzten erklärst, wieso es für dich nicht machbar ist und du im besten Fall sogar noch alternative Optionen aufzeigst, hast du alles richtig gemacht. Deine Entscheidung muss nachvollziehbar sein.

 

Tipps und Tricks für den Alltag: eine gute Begründung für das „Nein“ oder mögliche Alternativen anbieten

Wenn du die Aufgabe ablehnen musst, drückst du am Besten immer erst eine Art Bewunderung für den Fragesteller aus oder lobst ihn.
Beispielsweise wie folgt:

  • „Wollen Sie dieses Jahr den Festvortrag halte?“
    „ Nirgendwo lieber als bei Ihnen“.„Allerdings ...“

  •  „Das ist ein großartiges Angebot.“
    „Leider habe ich in diesem Moment schon etwas anderes angefangen .“

Ein „Lassen Sie mich darüber nachdenken“ verschafft dir einen kleinen Puffer und eine Absage nach 2-3 Stunden wird in den meisten Fällen als nicht so schroff für dein Gegenüber empfunden. Denn so wurde wenigstens darüber nachgedacht und abgewägt.

Sei offen und ehrlich: erkläre deinem Chef oder Kollegen, warum du so viel zu erledigen hast.  Sage, dass du die Aufgabe zwar übernimmst, aber ihr möglicherweise nicht die Aufmerksamkeit schenken kannst, die für ein optimales Ergebnis angemessen und vor allem nötig wäre. Teamwork-Time: Schlage deinem Gegenüber vor, dass du die Aufgabe mit der Hilfe eines oder mehrerer Kollegen erledigen kannst.
Beispielsweise kannst du auch anbieten, dass du zu einem anderen Zeitpunkt die Aufgabe übernimmst, wenn du mehr Zeit hast. Du wirst sehen, viele Dinge können auch später erledigt werden und sind gar nichts so zeitsensitiv wie zunächst vermutet.

Nur Mut! Nein zu sagen, ist eine Kunst. Aber die kann man lernen.

Tags