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Wie ein Chemikant bei Axalta seine Zukunft plant

Wuppertal. Das lackierte Stück Blech schimmert in Nachtblau-Metallic. Nein, in Grün! Oder Violett? Zakaria Issa, angehender Chemikant bei Axalta in Wuppertal, bewegt die glänzende Oberfläche hin und her: Die Farbe ändert sich je nach Lichteinfall. „Mein Lieblingslack“, sagt der 18-Jährige. Erst recht an einem Auto, „aber auch schon beim Mischen, wenn man die verschiedenen Farbtöne zusammenschüttet, einfach schön“.

Issa ist im dritten Lehrjahr bei dem Pulverlack-Spezialisten. Der größte Produktionsstandort des amerikanischen Konzerns in Deutschland mit rund 2.000 Mitarbeitern ist auf Lacke und Beschichtungen für die Autoherstellung und -reparatur spezialisiert. Die Chancen, dem eigenen Produkt auf der Straße zu begegnen, stehen gut: Bei jedem zweiten Wagen in Europa stammt mindestens eine Lackschicht von Axalta Wuppertal.

„Die Rezeptur gibt genau vor, was getan werden muss“

Nach der Mittleren Reife entschloss sich Issa zu der Chemikanten-Ausbildung. Den Betrieb kannte er von einer Besichtigung mit der Schule. Weitere Infos holte er sich aus dem Internet und bei Bekannten: „Mir gefällt der abwechslungsreiche Beruf zwischen Theorie und Praxis“, erzählt er. Der aufgeweckte Jugendliche will nicht nur seine Hände, sondern auch seinen Kopf beschäftigen. Deshalb fühlte er sich im Bereich Kunstharz bestens aufgehoben: „Da muss ich am meisten über Chemie wissen.“

Als Azubi unterstützt er die Kollegen an den Produktionsanlagen. Dabei lernt er, wie man Rohstoffe über den Computer dosiert, in den Mischer pumpt und Pigmente einarbeitet. „Die Rezeptur gibt vor, was getan werden muss“, erzählt Issa. Der Großteil der Produktionsprozesse läuft automatisiert und computergesteuert. Die Chemikanten richten die Anlagen ein und überwachen die Abläufe. Nur Rohstoffe, die nicht so häufig benutzt werden, füllt man per Hand ein. Dazu kommen Grundlagen der Metallbearbeitung wie Rohrmontage, Feilen und Abdichtung: „Wenn zum Beispiel in der Nachtschicht die Leitung leckt, sollte ich in der Lage sein, so etwas zu reparieren.“

 

An den Schichtbetrieb hat er sich nach kurzer Zeit gewöhnt. Azubis arbeiten hier in Früh- und Spätschicht im Wochenwechsel. „Ich persönlich stehe lieber früh auf“, meint Issa: „Dann habe ich nach der Arbeit noch Zeit, mit den Freunden oder der Familie etwas zu unternehmen oder im Fitnessstudio zu trainieren.“ Sein Ausbildungsjahrgang ist der erste, der von den Corona-Einschränkungen schwer getroffen wurde. Schon die Kennenlernfahrt im September 2020 wurde stark verkürzt. Weiter ging es mit Masken und Abstandhalten. „Unsere Gruppe wurde gleich auseinandergerissen. Wir haben uns viel seltener gesehen, in der Firma meist nur in der Umkleide“, bedauert er. „Wir haben uns jedoch von Anfang an gut verstanden, unser Zusammenhalt ist sehr stark.“

Berufsbegleitend zum Techniker ausbilden lassen

In der Berufsschule gab es viel Distanzunterricht. „Zu Hause lässt man sich doch schneller ablenken. In der Schule lernt man fokussierter“, bemerkt Issa. Das Unternehmen half durch zusätzlichen Unterricht, die Defizite abzufangen.

Trotz aller Schwierigkeiten darf er seine Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen: „Mit guten Leistungen eher arbeiten und gutes Geld verdienen zu können, motiviert unsere Azubis zusätzlich“, sagt Ausbildungsleiter Roland Somborn. Issa würde am liebsten gleich weiterlernen und berufsbegleitend den Techniker machen: „Mich reizt der wissenschaftliche Aspekt.“ Von Axalta kann er Unterstützung erwarten.

Rund 50 verschiedene Ausbildungsplätze sind jährlich im Angebot, 15 davon für Chemikanten und Chemikantinnen. „Leider bewerben sich nur selten Mädchen“, bedauert Somborn. Er wirbt für den „technisch anspruchsvollen, krisensicheren und gut bezahlten Beruf“. Man kann sich auch in nur zwei Jahren zur Produktionsfachkraft Chemie ausbilden lassen und sich weiterqualifizieren. Somborn: „Zunehmend bewerben sich auch Personen, die nach der Schule irgendwo gearbeitet haben und mit Ende 20 feststellen, eine Ausbildung lohnt sich doch!“

 

 

Nachgefragt

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Physik und Chemie sind meine Stärken. Ich arbeite gern praktisch und mache lieber etwas, als ruhig zu sitzen.

Was reizt Sie am meisten?

Wir arbeiten mit Gefahrstoffen, da muss man aufpassen. Wir tragen eine Schutzausrüstung und müssen einige anstrengende Arbeiten ausführen, da sollte man körperlich fit sein.

Worauf kommt es an?

Dass man selbst überlegt, wie man eine Aufgabe lösen kann.